Atemberaubendes Morgenstern-Trio




12.05.2011
Gütersloh (gl). Wäre eine Wunschfee beim siebten Meisterkonzert in der Gütersloher Stadthalle zugegen gewesen, sie hätte vom Publikum so manchen Auftrag bekommen. Zum Beispiel den nach einer so leise wie wirksam arbeitenden Klimaanlage.

Oder nach einer Saal-Bestuhlung, die den ohnehin schwachen Besuch nicht noch optisch verstärkt. Einzig das an der Folkwang-Hochschule in Essen gegründete Morgenstern-Trio ließ keine Wünsche offen.

Wann je hat man Kammermusik als solch uneitlen und doch so befähigten wie inspirierten Dienst an der Kunst erfahren? Der große Saal arbeitet Kammermusik-Ensembles nicht eben entgegen. Dass es Pianistin Catherine Klipfel, Geiger Stefan Hempel und Cellist Emanuel Wehse dennoch gelungen ist, das intime Erlebnis im unadäquat großen Rahmen ermöglicht zu haben, gehört zu den Mirakeln dieses Abends. Ein anderes ist, den romantisch zerrissenen Geist von Robert Schumanns Musik in den zwei vorgestellten Klaviertrios mit nachtwandlerischer Sicherheit getroffen zu haben. Die Zwiegesichtigkeit seiner Musik – im nach der Pause gespielten dritten Trio in g-Moll op.110 noch schärfer ausgeprägt als im populären ersten in d-Moll op. 63 – das düstere Moment seiner Leidenschaft und das fast krankhaft Überschwängliche seiner heiteren Sätze bekommt man selten in dieser interpretatorischen Dichte und instrumentalen Brillanz zu hören.



Jubel in Hombroich für das Morgenstern-Trio




06.04.2011
Neuss (NGZ). Weil die zum Teil skurrile Lyrik Christian Morgensterns so voller Musik steckt, gab sich das junge, inzwischen aber international mit höchsten Auszeichnungen dekorierte Klaviertrio den Namen des deutschen Dichters. Die Musiker des Morgenstern-Trios wurden in den vergangenen Jahren sowohl von der Kölner Philharmonie als auch der Elbphilharmonie Hamburg zu "Rising Stars" gewählt. Catherine Klipfel (Klavier), Stefan Hempel (Violine) und Emanuel Wehse (Violoncello) konzertierten nun im Rahmen der Jüdischen Kulturtage NRW auf der Museumsinsel Hombroich. Mit rund 250 Zuhörern war die Scheune restlos überfüllt.

Präzises Zusammenspiel

Das beeinträchtigte die Begeisterung nicht im mindesten, mit der das Publikum Leonard Bernsteins "Klaviertrio" von 1937 quittierte. Der gerade mal 19-Jährige entwickelt bereits hier eine Mischung aus Klassik und Jazz, die später seine Sinfonien und Musicals so populär machen sollten. Rhythmische Vitalität fordert vor allem im Finale den Instrumentalisten viel ab. Das aber bleibt bei aller temperamentvollen Leidenschaft im Zusammenspiel äußerst präzise. Bewundernswert, wie die zarte Französin Catherine Klipfel nahtlos hämmernde Akkordik, perlende Läufe und sanfte Lyrik aneinanderreiht.

Kammermusik in seltener Feinheit bot das Ensemble auch beim "Trio d-Moll" (op. 49), das Felix Mendelssohn Bartholdy fast 100 Jahre früher schrieb. Trotz des üppigen Hauptthemas, vom Cello durch ein weiteres romantisches Thema ergänzt, bleibt das vollkommen transparent. Ein wunderbares Klavierlied eröffnet das "Andante", die Sicherheit des Ensembles bleibt auch beim schnell gespielten "Scherzo" tänzerisch leicht, nach dem Finale kann das Publikum nur noch jubeln.

Beachtenswert waren auch die gewählten Zugaben: György Kurtág hat 2007 eine dem ungarischen Musikpublizisten Bálint Varga gewidmete "Ligaturája" geradezu als Pianissimo-Manifest veröffentlicht. Die Saiten des Flügels wurden dazu mit einer Stoffbahn abgedeckt, kaum noch wahrnehmbare höchste Töne bleiben bei den Streichern extrem sauber und nur deshalb noch nachvollziehbar. Expressive Stimmungswechsel kennzeichnen hingegen die "Fremde Szene III" (1983), in der Wolfgang Rihm "Versuche für ein Klaviertrio" unternimmt. Meditative Abschnitte wechseln mit heftig attackierenden Klangimpulsen. Schattenhaft und kurios verklingt das Werk in einem letzten vom Violoncello dahingezupften Ton.



Unvergesslicher Konzertabend



29.03.2011
Lüdenscheid. Es gibt Konzertabende, die man nicht vergisst. Das Meisterkonzert mit dem Morgenstern Trio, das am Sonntagabend im Kulturhaus im Rahmen der Jüdischen Kulturtage NRW zum Hörgenuss der Extraklasse avancierte, gehört dazu.

So leidenschaftlich und enthusiastisch, sinnlich und emotional wie Stefan Hempel (Violine), Emanuel Wehse (Violoncello) und Catherine Klipfel (Klavier), international mit höchsten Auszeichnungen dekoriert, miteinander musizierten, ist Kammermusik nur selten zu erleben.

Hommage an Musik jüdischer Komponisten

Dass Lüdenscheid beim Gastspiel der drei Virtuosen obendrein eine Uraufführung erlebte, machte das Meisterkonzert in doppelter Hinsicht zu einem Highlight der Saison. In Verbindung mit dem Kultursekretariat Gütersloh lud das Kulturhaus zur Begegnung mit dem Trio, das an der Essener Folkwang Hochschule zusammenfand und in kürzester Zeit wichtige Preise gewann – zuletzt mit dem Kalichstein-Laredo-Robinson International Trio Award einen der großen internationalen Preise für Klaviertrio.

An den drei Komponistennamen Leonard Bernstein, Boris Gurevich und Felix Mendelssohn-Bartholdy machten Stefan Hempel, Emanuel Wehse und Catherine Klipfel ihre Hommage an die Musik jüdischer Komponisten fest. Zur Entdeckung gerieten dabei die Trios von Bernstein und Gurevich, dessen Werk – zuvor in Ausschnitten bei der Eröffnung der Jüdischen Kulturtage in Dortmund zu hören – im Kulturhaus seine Uraufführung erlebte. Voller Ideen, voller Leben steckte Boris Gurevichs eigens für die Jüdischen Kulturtage geschriebenes Klaviertrio. Leider ohne den Komponisten, der als Korrepetitor am Essener Aalto-Theater beschäftigt ist und sich von dort nicht loseisen konnte, erlebten die Zuhörer die Uraufführung eines Werks, das eine ganz eigene, originelle Sprache sprach und Überliefertes im Heute verankerte. Mal alles hinwegfegender Orkan, mal schwebendes, zartes Tongemälde war die lustvoll zwischen Tradition und Moderne wandelnde Komposition, die im Morgenstern Trio überragende Interpreten fand.

Fortlaufende Stimmungsumschwünge

Bernsteins extrovertierter, emotionaler Charakter spiegelte sich in dem spieltechnisch immens schwierigen Klaviertrio aus dem Jahr 1937, in dem sich melodisches, folkloristisches und aufwühlendes Tonmaterial in bemerkenswerter Fülle und Vielfalt fand. Den Kontrastreichtum der Komposition, die fortlaufenden Stimmungsumschwüngen unterworfen war, arbeitete das Trio in feinsten Nuancen, klar und transparent heraus. Wunderbare Leichtigkeit und Kantabilität verliehen die drei Musiker dem Mendelssohn-Trio, dem ein eigenständig ausformulierter Klavierpart als klanglicher Gegenpol zu den Streichinstrumenten besondere Intensität verlieh. Glänzend gelang das Wechselspiel der Instrumente bei den vielfältigen Stimmungen, die dem Werk - in einer Zeit voller Widersprüche entstanden - innewohnten. Ein Meisterwerk führten Stefan Hempel, Emanuel Wehse und Catherine Klipfel meisterhaft auf.
Monika Salzmann



Entwaffnend schlicht



31.01.2011
SEEHEIM-JUGENHEIM.  Es sind ungleiche Partner, die im Klaviertrio miteinander korres pondieren. Eine ausgewogene Balance herzustellen, ist deshalb eine knifflige Aufgabe. Nicht so für das Morgenstern-Trio mit Stefan Hempel (Violine), Emanuel Wehse (Violoncello) und der aus dem Elsass stammenden Pianistin Catherine Klipfel. Die drei triumphierten in Seeheims Laurentiuskirche beim Musikforum Seeheim-Jugenheim in einem fulminanten Konzert.

Das lag nicht zuletzt an der gescheiten Werkauswahl, mit der sich das international erfahrene Ensemble präsentierte: Zu Beginn erklang Beethovens frühes c-Moll-Klaviertrio op. 1, Nr. 3. Hier punktete das mit dem ARD-Preis dekorierte Trio mit einer höchsten Ansprüchen genügenden überlegten Wiedergabe, die mit Spannung und zarter Bogenführung bei den Streichern und geschmeidig-brillantem, nuanciertem Klavierspiel überraschte. Beethoven strahlte so im Licht der Empfindsamkeit mit schlankem Ton, Präzision, schmalem Vibrato. Die Soli wurden hier in aller Natürlichkeit musiziert. Gewiss konnte Catherine Klipfel in der Durchführung auch mal grimmig poltern, die Streicher fesselten parallel dazu mit melancholischen Trübungen, doch der zarte Glanz ging nie verloren. Im narrativen Stil folgte das Andante cantabile, entwaffnend durch seine Schlichtheit. Inniglich fühlten die Künstler hier den nachdenklichen Lebenslinien des Satzes nach; fein anzusehen dazu die spielerische Komponente im filigranen Menuetto. Und welch Leidenschaft legten die Akteure im Finale an den Tag! Ein Auftakt nach Maß.

Große Musik ist Ravels Klaviertrio a-Moll aus dem Jahr 1914. Im zweiten Satz „Pantoum: Assez vif“ treten alle Charakteristika der Epoche gebündelt hervor: Klangliche Sphären, idiomatische Harmonik, eine ungezügelte Wildheit. Insbesondere die leisen Momente mit ihrer archaischen Kraft gingen dem Publikum unter die Haut. Blitzendes Geflirre durchzuckte das Finale, bei dem Hempel und Wehse schwelgten, umspült vom dramatischen Klaviersatz, den Caterine Klipfel allzeit kontrollierte.

Bei Brahms und Schostakowitsch zeigten die Akteure noch einmal höchste Qualität des Zusammenspiels. Brahms' Opus 101 nahm das Morgenstern-Trio elegisch-füllig. Unglaubliche rhythmische Präzision und Gestaltungskraft charakterisierte da das Miteinander. Als Dank für viel Applaus zückten die drei Schostakowitschs erstes Klaviertrio in einem Satz op. 8 c-Moll, das das Trio soeben in den USA für CD eingespielt hat. Frisch und furios drang das Ensemble hier in die Tiefenschichten. Das mal zornige, mal lyrisch-melodiöse Gesicht dieses Frühwerks gewann seltenes Format.
Manuel Stangorra



Klangfarben, die süchtig machen



27.09.2010
Grünwald - Ein Robert-Schumann-Fest war es. Eines, das die Besucherherzen im Grünwalder August-Everding-Saal rasen ließ. Und wer es schwänzte, weil - wie man im Pausen-Talk erfuhr - ein "Moderner" wie der Komponist Wolfgang Rihm auf dem Programm stand, ist selbst schuld...
(Hier die ganze Kritik als PDF-File.)



Schier unglaubliche Virtuosität



19.04.2010
Kreis Düren. Im gut besetzten Haus der Stadt hätte man eine Stecknadel fallen hören können. Beim fünften Kammerkonzert der Vereinigten Industrieverbände (VIV) von Düren, Jülich, Euskirchen und Umgebung begeisterte das «Morgenstern Trio» mit Werken von Joseph Haydn, Bedrich Smetana und Franz Schubert die Musikfreunde und bot Kammermusik auf allerhöchstem Niveau. Die Musiker des Trios Catherine Klipfel (Klavier), Stefan Hempel (Violine) und Emanuel Wehse (Cello) haben erst im vergangenen Jahr den «Kalichstein-Laredo-Robinson International Trio Award» gewonnen. Der Preis zählt zu den renommiertesten internationalen Auszeichnungen für Klaviertrios und beinhaltet mehr als 20 Konzerte in den USA, eine CD-Produktion und die Vergabe von alten italienischen Leihinstrumenten. Um so größer war das Glück, dass solch hervorragende Musiker zwischendurch auch noch ein Gastspiel in Düren gegeben haben.

Eröffnet wurde der Abend mit Joseph Haydns «Klaviertrio Es-Dur», danach folgten Bedrich Smetanas «Klaviertrio g-moll» und das «Trio für Klavier, Violine und Violoncello in Es-Dur» von Franz Schubert. Bei allen drei höchst anspruchsvollen Werken glänzten Catherine Klipfel, Stefan Hempel und Emanuel Wehse mit einer schier unglaublichen Technik und Virtuosität auf ihren Instrumenten, fast noch beeindruckender war jedoch ihre große Musikalität. Die drei Musiker waren wunderbar aufeinander eingespielt, Einsätze und Schlüsse waren tadellos, dynamische Unterschiede wurde auf eindrucksvolle Art ausgespielt. Dabei brachten die Musiker in ihrem Spiel aber auch Stimmungen zum Ausdruck.

Bedrich Smetana zum Beispiel hatte sein Klaviertrio zum Tode seiner vierjährigen Tochter komponiert. Phasenweise wurde der Schmerz, den der Komponist bei seiner Arbeit gehabt haben muss, im Spiel des «Morgenstern Trios» mehr als deutlich. Kein Wunder, dass nach einem tollen Kammermusik Applaus und Bravo-Rufe im Haus der Stadt kaum nachlassen wollten.

Die Industriekonzerte im Haus der Stadt haben sich mit dem wunderbaren Abend des «Morgenstern Trios» in die Sommerpause verabschiedet. Das nächste Konzert der Reihe findet am Dienstag, 14. September, um 19.30 Uhr im Haus der Stadt statt. Anlässlich des 60-jährigen Bestehens der Industriekonzerte spielt dann der berühmte Dürener Pianist Lars Vogt Werke von Franz Schubert und Robert Schumann.



Junges Trio spielt auf Weltniveau




19.03.2010
Bottrop. Das junge Morgenstern-Trio hat sich im Kammermusiksaal in die Ohren seiner Zuhörer gespielt. Der Abend verdiente höchstes Prädikat: grandios, fulminant, eine imponierende persönliche Begegnung mit den drei Werken von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Leos Janacek und Dmitri Schostakowitsch.

Was ist Musik? Suchen und Finden, Herz, Schmerz, Glut, Verzicht, Demut, Hoffnung, Hingabe, Verzweiflung. Vor allem: Wahrheit über den Autor, den Komponisten. Er spricht in jeder Faser, in jeder Note zu uns - wenn die Interpretation so angelegt ist, dass sie uns fesselt, aufregt, in den Bann zieht. Von einem solchen Format muss man berichten, wenn man dieses Programm des jungen Morgenstern-Trios im Kammermusiksaal im Ohr hat. Der Abend verdiente höchstes Prädikat: grandios, fulminant, eine imponierende persönliche Begegnung mit den drei Werken von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Leos Janacek und Dmitri Schostakowitsch. SubjektiveAnnäherung an drei Künstler

Alle drei Stücke waren so ausgetüftelt, dass man von einer großen subjektiven Annäherung an drei wichtige europäische Vertreter der Musikgeschichte ausgehen durfte. Heftig und leidenschaftlich, unvermittelt und temporeich Mendelssohn-Bartholdys d-moll-Trio op. 49, sonst eher ein beschauliches Opus, hier eine frische Brise, die aus der Romantik im 19. Jahrhundert herüber weht. Catherine Klipfel, Klavier (woher nimmt die junge Dame bloß diese Kraft, diese pianistische Substanz?), Stefan Hempel, Violine (der bis an die Grenze der physischen Belastung ging) und Emanuel Wehse, ein Cellist von höchster Güte, der selbst in schwierigsten Passagen abgeklärt wirkt - eine Idealformation, die das einzelne Werk aus dem historischen Kontext sieht und es dennoch scheinbar mühelos in die Gegenwart überführt. Perfektion ist nicht unbedingt das Ziel

Das Bekenntnishafte wird zum Leitgedanken dieses Programms, dieses Klavier-Trios. Schon etliche internationale Preise und Auszeichnungen haben sich die jungen Musiker erspielt - zu recht. Denn wer mehr von einer Literatur aus Klängen, Melodien und Rhythmen erwartet, kommt voll auf seine Kosten. Nicht, dass die Gruppe unbedingt Perfektion anstrebt - ihr geht es um die Wahrheit, die eine Komposition vermittelt.

Bekenntnis vor allem bei Janacek und dessen Bearbeitung des 1. Streichquartetts (1923/24), der Tolstois Novelle „Kreutzer-Sonate“ verarbeitet: als intime, expressive Verwandlung von Sprache/Literatur in Musik. Bekenntnis auch bei Schostakowitsch und dem Klaviertrio op. 67 (1944): Aufschrei und Trauer in einem, Kriegsfanfare und Individualschmerz gebündelt.

Hans Jörg Loskill, Westdeutsche Allgemeine Zeitung